Metropolis 17


Am 4.11.2017 wurde zum siebten Mal der Deutsche Regiepreis METROPOLIS im Rahmen einer gelungenen Galaveranstaltung im Audimax der Hochschule für Fernsehen und Film in München verliehen.

Um die Qualität der Werke seiner Mitglieder zu würdigen und öffentlich herauszustellen und um die Position von Regisseuren/innen durch Nominierung und Auszeichnung zu stärken, verleiht der BVR den Deutschen Regiepreis METROPOLIS.

Der Deutsche Regiepreis METROPOLIS ist die Spitzenauszeichnung von Regisseuren für Regisseure sowie für die wichtigsten Mitstreiter der Regie. Er ist mit insgesamt 55.000 EUR dotiert.

Gewinner

Kinofilm
Kai Wessel
„Nebel im August“

Kinder-/Jugendfilm
Ali Samadi Ahadi
“Peterson & Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“

Beste produzentische Leistung
Nils Dünker
„Die Beste aller Welten“ und „Eine unerhörte Frau“

Beste Schauspielerin
Verena Altenberger
„Die Beste aller Welten“

Fernsehfilm
Nicole Weegmann
“Ein Teil von uns”

Nachwuchs
Adrian Goiginger
“Die beste aller Welten”

Beste redaktionelle Leistung
Claudia Simionescu
„Ein Teil von uns“ (BR/Degeto)

Bestes Szenenbild
Andreas C. Schmidt
„Einsamkeit, Sex und Mitleid“

TV-Serie 
Marvin Kren
“4 Blocks“

Dokumentarfilm
Kirsi Marie Liimatainen
“Comrade, where are you today?”

Bester Schauspieler
Tom Schilling
„Der gleiche Himmel“

Lebenswerk

Lebenswerk

Lebenswerkpreis des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2017 (Ehrenpreis der VG Bild-Kunst)

ROLAND KLICK gilt als einer der kompromisslosesten Filmemacher des deutschen Films der letzten 50 Jahre. Nur 8 abendfüllende Spielfilme, ein paar Kurz- und Dokumentarfilme bilden auf den ersten Blick ein schmales Werk. Begonnen hat er 1966 mit den Kurzfilmen „Weihnacht“, „Ludwig“ und „Zwei“ . Bereits hier fiel seine visuelle Klarheit in der scheinbar beiläufigen Zeichnung sozialer Wahrheit auf. „Bübchen“, 1969, zeigt schonungslos die soziale Fassade kleinbürgerlichen Lebens anhand eines monströsen Kriminalfalls (der Bruder tötet grausam die kleine Schwester und verwischt die Spuren). Noch bevor Michael Haneke (METROPOLIS-Preisträger 2015) eine ähnlich lapidar aufgeladene Bildsprache entwickelt, arbeitet Klick mit ähnlicher filmästhetischer Wucht.

Die künstlerische Seele kennt keine Kompromisse, lautet ein Klick’sches Credo. Verwirklichen konnte er das vor allem mit „Deadlock“, (1970). Der Film im hybriden Genre eines Spät-Western mit modernster Waffen- und Räumtechnik ist eine endlose Kette von Eskalationen. Sobald ein Moment der Ruhe auftritt, zerreißt sie Klick mit bewusst überbordender Action. Dass am Ende einer Geschichte um einen Koffer voll Geld in der Wüste die Lebensfeindlichkeit konsequenten Ausdruck bekommt, ist mehr als ein Symbol. „Supermarkt“ (1973), ein Rohdiamant der jüngeren deutschen Filmgeschichte, kreist in nüchtern Bildern um die Vision eines Strichers auf St. Pauli, der in ein menschenwürdiges Leben aufbricht und daran zerbricht. Die Bewegung dahin verläuft hektisch, die Kamera von Jost Vacano spart auch nicht an verwackelten Aufnahmen. Es gibt eigentlich keine Chance, trotzdem versucht der Held sie zu nutzen, um am Ende im hyperrealistisch gezeigten Elbtunnel in den Verrat zu laufen. Klicks Adaption von Simmels „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ (1979) ist filmisch ähnlich direkt und reibt sich merklich mit der melodramatischen Story. 

Die wilde Collage unterschiedlichster Interviewmaterialien in seinem Dokumentarfilm „Derby Fever USA“ (1979) interessiert sich kaum für das bekannte Pferderennen in Kentucky. „White Star“ (1981-83) ist eine Farce auf das Showgeschäft. Klick hoffte, mit Dennis Hopper in der Hauptrolle den Sprung nach Hollywood zu schaffen. Die Drogensucht des amerikanischen Hauptdarstellers wie chaotische Drehbedingungen ließen einen Film entstehen, der als Fragment ursprünglicher Planung stark polarisierte. Nur noch ein Film, „Schluckauf“ (1989) sollte folgen. Klick arbeitet danach unter Pseudonym oder ungenannt an verschiedenen TV-Filmen mit. Einen eigenen großen Film hat der mehrfach mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnete Regisseur nicht mehr inszeniert. Seit den 1990ern wurde es still um Roland Klick. Sein klares Bekenntnis zu starken Bildern und zu Kino-Konventionen, sein Ringen um soziale Wahrheit in der Überhöhung des Kinobildes, haben ihn von den bekannten Vertretern des Neuen deutschen Films abgesetzt. Der Bundesverband Regie zeichnete diese ästhetische Unbeugsamkeit eines Regisseurs 2017 mit dem Deutschen Regiepreis METROPOLIS für ein Lebenswerk aus.

Erstmaliger Preis für Regieassistenz im Deutschen Regiepreis METROPOLIS
Jannet Fechner-Preis 2017 ging an Helga Asenbaum

Sie sind die wichtigsten Mitarbeiter der Regie. Trotzdem gibt es bisher keinerlei Preise für Regieassistenten und Regieassistentinnen. Dies änderte sich nun durch eine neue Auszeichnungsmöglichkeit im Dt. Regiepreis METROPOLIS. Benannt wird dieser neue Preis nach Jannet Fechner, der langjährigen Regieassistentin des Regisseurs Eberhard Fechner. Aufgrund einer Zuwendung der Erben von Jannet Fechner wird auch dieser METROPOLIS-Preis wie alle übrigen Regiepreise mit EUR 5.000 dotiert.

Eine Jury, bestehend aus Ulrich Zwirner (Erbe J. Fechner), Dr. Torsten Musial (Akademie der Künste, Berlin), Stephan Wagner (Regisseur), Julia Eplinius (Regieassistentin und Sprecherin der Berufsgruppe im BVR) sowie Dr. Jürgen Kasten (ehem. Geschäftsführer BVR) hat den Preis für 2017 einstimmig HELGA ASENBAUM zuerkannt.
Die langjährige Regieassistentin solch renommierter Regisseure wie Oliver Storz, Rainer Erler, Volker Vogeler, Jo Baier, Franz Xaver Bogner, Johannes Schaaf u.a. begann ihre Karriere 1971 nach einer Ausbildung in allen Abteilungen der Bavaria-Film. Sie erlernte ein breites filmisches Handwerk von der Pieke auf.

Ihre ersten großen Kinofilme machte sie mit Regisseur Johannes Schaaf. „Trotta“ (1971) und „Traumstadt“(197)3 sind zwei ganz eigene Spielarten des neuen deutschen Films. Dem heute etwas in Vergessenheit geratenen Genre des fantastischen bzw. futuristischen Films blieb sie treu mit Rainer Erlers „Operation Ganymed“ (1976) „Plutonium“ (1977) oder der von kaum glaublicher Aktualität geprägten Organhandel-Parabel „Fleisch“ (1979). Über Helmut Dietls erfolgreiche Münchner Serien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“ bis zu Joseph Vilsmaiers „Herbstmilch“ und „Rama dama“ (1985-1990) blieb sie bayerischen Themen verbunden. Danach arbeitete sie vor allem mit Oliver Storz, einem der wichtigsten deutschen Fernsehautoren, der inzwischen zur Regie gewechselt war. Mit ihm drehte sie auch ihren und seinen letzter Film „Die Frau, die im Wald verschwand“ (2008).

Helga Asenbaum verfügt über tiefe Kenntnisse aller Bereiche der Film – und Fernsehherstellung: Casting, Synchron, Schnittüberwachung sind ihr ebenso wenig fremd wie ihre besonders einfühlsame Arbeitsweise mit Kindern und Nebendarstellern. Als Co-Autorin von Drehbüchern und mit einem PPL-A-Pilotenschein realisiert sie auch eigene Träume.

Nominierungen 2017

Nominierungen 2017

Beste Regie Kinofilm

  • „Eine unerhörte Frau“ von Hans Steinbichler
  • „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ von Lars Montag
  • „Die Hände meiner Mutter“ von Florian Eichinger
  • „Nebel im August“ von Kai Wessel

Beste Regie Kinder-/Jugendfilm

  • „Peterson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“ von Ali Samadi Ahadi
  • „Ostwind 3“ von Katja von Garnier
  • Conni & Co. 2 – Das Geheimnis des T-Rex“ von Til Schweiger

Beste Regie Dokumentarfilm

  • “Andermatt.Global Village” von Leonidis Bieri, Marc Haenecke, Robin Burgauer
  • “Von Sängern und Mördern” von Stefan Eberlein
  • “Frank Zappa – Eat that Question” von Thorsten Schütte
  • „Comrade, where are you today?“ von Kirsi Marie Liimatainen

Beste Regie Fernsehfilm

  • “Ein Teil von uns” von Nicole Wegmann
  • “Die Stille danach“ von Nikolaus Leytner
  • “Das weiße Kaninchen” von Florian Schwarz
  • “Der Andere. Eine Familiengeschichte” von Feo Aladag

Beste Regie TV-Serie/Serienfolge/Mehrteiler

  • “Mörderisches Tal – Pregau“ von Nils Willbrandt
  • “4 Blocks“ von Marvin Kren
  • “Der gleiche Himmel“ von Oliver Hirschbiegel
  • „Phoenixsee“ von Bettina Woernle

Beste Regie Nachwuchs

  • “Die Reise mit dem Vater” von Anca Miruna Lazarescu
  • “Einmal bitte alles” von Helena Hufnagel
  • “Die Beste aller Welten” von Adrian Goiginger
  • “Blind und hässlich” von Tom Lass

 

Die Nominierungs-Jury bildeten Felix Fuchssteiner (Vorsitz), Alrun Götte, Utta Seidenspinner und Zoltan Spirandelli. Die Preisträger des Deutschen Regiepreises METROPOLIS wurden durch eine Online-Abstimmung unter den Mitgliedern des BUNDESVERBANDS REGIE ermittelt.

Presse

Abenzeitung, 07.11.2017

Süddeutsche Zeitung, 07.11.2017

Münchner Merkur, 07.11.2017