Metropolis 15


Zum fünften Mal wurde der Deutsche Regiepreis METROPOLIS bei einer Galaveranstaltung am 8.11.2015 im Audimax der Hochschule für Fernsehen und Film in München vergeben.

Um die Qualität der Werke seiner Mitglieder zu würdigen und öffentlich herauszustellen und um die Position von Regisseuren/innen durch Nominierung und Auszeichnung zu stärken, verleiht der BVR den Deutschen Regiepreis METROPOLIS.

Der Deutsche Regiepreis METROPOLIS ist die Spitzenauszeichnung von Regisseuren für Regisseure sowie für die wichtigsten Mitstreiter der Regie. Er ist mit insgesamt 55.000 EUR dotiert.

Gewinner

Kinofilm
Oliver Hirschbiegel
(stellvertretend die Produzenten)
„Elser“

Kinder- und Jugendfilm
Wolfgang Groos
“Rico, Oskar und das Herzgebreche“

Bester Schauspieler
Christian Friedel
„Elser“

Beste redaktionelle Leistung
Ulrike Leibfried
„Deutschland 83“

Fernsehfilm
Florian Schwarz
“Tatort: Im Schmerz geboren”

Dokumentarfilm
Hubertus Siegert
“Beyond Punishment”

Beste Schauspielerin
Martina Gedeck 
„Am Ende der Geduld“

Beste schöpferische Mitwirkung
Philipp Sichler 
für die Kamera bei “Tatort: Im Schmerz geboren”

Serie/ Serienfolge
Edward Berger 
“Deutschland 83, Folge 1″

Nachwuchs
Giulio Ricciarelli (via Skype)
“Im Labyrinth des Schweigens”

Beste produzentische Leistung
Til Schweiger (für den Erkrankten entgegengenommen von Volker Schlöndorff)
„Honig im Kopf“

Lobende Erwähnung
Emma Bading
für ihre Darstellung in „Die Kleinen und die Bösen“ und in “Das Muli”

Lebenswerk

Lebenswerk

Der Deutsche Regiepreis METROPOLIS für ein Lebenswerk geht an Michael Haneke

Einer der Höhepunkte der Gala ist stets der mit 20.000 EUR dotierte Preis für ein Lebenswerk, der als Ehrenpreis der VG Bild-Kunst vergeben wird. In diesem Jahr erhält ihn MICHAEL HANEKE. Ohne Zweifel gehört er international zu den renommiertesten deutschsprachigen Regisseuren der Gegenwart. Haneke sucht im Kino Wahrhaftigkeit, gerade auch in der gesellschaftlichen Analyse und Kommunikation. Wie kaum ein anderer Regisseur bindet er den Zuschauer ein. Im puristisch, fast spröde gegebenen Bild zwingt er ihn, sich ohne vermittelnde Illusionsbrücken mit oft monströsen Vorfällen auseinander zu setzen.

Haneke hinterfragt die Filmästhetik und ihre wesentliche Zeige- und Bedeutungsfunktionen. Seine Form ist die des realistischen Bildes, das er radikal entschlackt und genauestens cadriert. Bei den Figuren vermeidet er individualpsychologische Erklärungsmuster. Und das trotz extremster Vorfälle, insbesondere in der Erkundung und Bewältigung von Gewalt, die plötzlich aus dem Alltag heraus bricht. Eine Deutung der visuell selten direkt, meist nur vermittelt und unspektakulär gezeigten Gewalt will er dem Zuschauer entlocken, ihn rückt er quasi als Mittäter oder Mitleidender in die Geschichte mit ein. Er soll die sehr bewusst leer gelassenen Bildstellen des oft beiläufig Gezeigten ausfüllen. Selten hat ein Filmregisseur sein Publikum so ernst genommen wie Michael Haneke es regelmäßig tut.

Geboren 1942 in München und aufgewachsen in Wien beginnt er 1967 als Redakteur beim Südwestfunk, wendet sich aber bald der Theater- und 1976 der Fernsehfilm-Regie zu. Bereits seine frühen, heute leider kaum bekannten oder zugänglichen Fernsehspiele, wie etwa „Lemminge“ (1979) zeichnet ein strenger Formwille und antiillusionistische Inszenierung aus. Es dauert noch einmal zehn Jahre bis Haneke mit „Der siebte Kontinent“ (1989) seinen ersten Kinofilm heraus bringt. Der völlig unprätentiös umkreiste kollektive Selbstmord einer ganzen Familie ist Ausgangspunkt für eine Trilogie über die „Vergletscherung der Gefühle“ in der bürgerlichen Gesellschaft. „Bennys Video“ (1992) und „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994) gehören dazu und arbeiten sich an extremen Ausbrüchen ab: dem wiederum völlig unspektakulär und nur medial vermittelt gezeigten Mord bzw. Amoklauf.

„Die Klavierspielerin“ (2000) schreibt diese Analyse privater wie gesellschaftlicher Vereisung in die intimsten Beziehungen fort. In Cannes erhielt der Regisseur dafür den Großen Preis der Jury. Fortan wird er verstärkt in Frankreich bzw. in entsprechenden Co-Produktionen arbeiten. Auch in „Code inconnu“ (2000) oder der apokalyptischen Endzeitvision „Wolfszeit“ (2003) arbeitet er weiter an der Verunsicherung vor allem des bürgerlichen Subjekts und der Subversion von Zuschauererwartungen, die aus dem Mainstreamkino erwachsen. Für „Caché“ (2005) erhielt er den Regiepreis in Cannes und den Europäischen Filmpreis. Für „Das weiße Band“ (2009), einer vielschichtigen, aber nur andeutend hingetupften Geschichte um mysteriöse Unfälle und Todesfälle in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des 1. Weltkriegs, deutet er auf die grundlegenden Mentalitäten, die diesen kollektiven Gewaltausbruch ermöglichen. Die Goldene Palme in Cannes und viele weitere Auszeichnungen würdigten diesen auch bildstilistisch außergewöhnlichen Film. „Liebe“ (2012) gewann nicht nur die Goldene Palme, sondern auch den Oscar. Das Kammerspiel um ein altes, in starker Zuneigung gebundenes Professorenpaar konzentriert den ultimativen Liebesbeweis in höchstmöglicher Radikalität: dem Wunsch nach dem Tod als letzten Akt der Selbstbestimmung und eben der Liebe.

Michael Haneke Filme sind Versuchsanordnungen über die Pathologien der bürgerlichen Gesellschaft. Er fordert dem Zuschauer einiges ab und versucht stets, ihn für die Mechanismen filmischer Manipulation und Illusionsbildung zu sensibilisieren. Er dekonstruiert damit auch den Film selbst, den er gleichzeitig als Medium von Erkenntnis nutzt. Haneke ist ein unpathetischer Aufklärer, der das Kino noch immer als moralische Anstalt versteht.

Nominierungen 2015

Nominierungen 2015

Beste Regie Kinofilm

  • “Die Kleinen und die Bösen” von Markus Sehr
  • “Elser” von Oliver Hirschbiegel
  • “Frau Müller muss weg” von Sönke Wortmann
  • “Who am I” von Baran bo Odar

Beste Regie Fernsehfilm

  • “Das Ende der Geduld“ von Christian Wagner
  • “Tatort: Das Muli” von Stephan Wagner
  • “Tatort: Im Schmerz geboren” von Florian Schwarz
  • “Vorsicht vor Leuten” von Arne Feldhusen

Beste Regie TV-Serie/Serienfolge

  • “Deutschland 83, Folge 1“ von Edward Berger
  • “Schuld: Schnee“ von Maris Pfeiffer

Beste Regie Kinder-/Jugendfilm

  • „Die Krone von Arkus“ von Franziska Pohlmann
  • „Die Vampirschwestern 2“ von Wolfgang Groos
  • „Ostwind 2“ von Katja von Garnier
  • „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ von Wolfgang Groos

Beste Regie Dokumentarfilm

  • “Beyond Punishment” von Hubertus Siegert
  • “Für immer Liebe? Leben zu dritt” von Sabine Barth
  • “Nowitzki. Der perfekte Wurf” von Sebastian Dehnhardt

 

Die Nominierungs-Jury bildeten Imogen Kimmel (Vorsitz), Astrid Gabler, Hans W. Geissendörfer, Cornelia Grünberg, Dominikus Probst und Marcus Ulbricht.