Metropolis 14

Die Verleihung der Deutschen Regiepreise METROPOLIS 2014

Regieverband kürt die Jahrgangsbesten und István Szabó für sein Lebenswerk
Am Sonntag, den 9. November 2014 wurde zum vierten Mal der Deutsche Regiepreis METROPOLIS bei einer Galaveranstaltung im Audimaxx der Hochschule für Fernsehen und Film in München verliehen. Die unterhaltsame Preisverleihung war Höhe- und Schlusspunkt der TAGE DER REGIE, die dieses Jahr zum ersten Mal mit interessanten Screenings und Panels Regisseure, Filmstudenten und Branchenprofessionals zusammenbrachte.

Die Preisträger des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2014 wurden von den Mitglieder des Bundesverbandes der Film- und Fernsehregisseure e.V. (BVR) aus jeweils vier von einer Jury nominierten Vorschlägen in einer Online-Abstimmung gewählt.

 

Gewinner

REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 428 REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 335   REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 194  REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 482

 Kinofilm

Edward Berger

“Jack“

 

 Fernsehfilm

Hermine Huntgeburth

„Männertreu“

 

Serie/ Serienfolge

Arne Feldhusen

„Angehörige“

 

Kinder- und Jugenfilm

Pepe Danquart

„Lauf Junge lauf“

 

 REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 155 REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 706  REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 304  REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 366

Nachwuchs

Frauke Finsterwalder

„Finsterworld“

 

Dokumentarfilm

Mo Asumang

„Die Arier“

 

Beste Schauspielerin

Liv Lisa Fries

„Morgen Mittag bin ich tot“

Bester Schauspieler

Jörg Hartmann

„Weissensee“

 REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 444  REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 230

Beste produzentische Leistung

Jan Krüger

„Jack“

 Beste redaktionelle Leistung

Dr. Gudrun Hanke-el Ghomri

„Achtzehn“

Lebenswerk

Ein Meister der Einfühlung: István Szabó

REGIEPREIS-HFF-Alexander-Mechow 622

„Ohne eigenes Blut funktionieren Filme, Opern, Theater nicht“: Dieser Satz von István Szabó umreißt seine persönliche Ästhetik: sein Bemühen, auch im kunstvoll Inszenierten Authentizität anzustreben, sein Durchleben eigener Gefühle, die er in den Figuren transparent macht. Er benötigt keine wild ausschweifenden Fantasien, Materialsplitter der Geschichte und des selbst Erlebten genügen ihm.

1938 in Budapest geboren und aus einer jüdischen Familie stammend, gelang es ihm und seiner Fa-milie, den Holocaust zu überleben. Er kämpfte für den Wiederaufbau in Ungarn und bekam den Hor-ror des Stalinismus zu spüren. Bereits als junger Mensch erlebte Szabó, wie die Welt sich mehrmals drastisch änderte. Helden standen auf, wurden geschlagen und standen wieder auf. Mythen wurden vernichtet und wieder erfunden. Wahrheit wurde zu Lüge und Lüge zu Wahrheit.

Sein erster großer Spielfilm „ÁLMODOZÁSOK KORA /ZEIT DER TRÄUMEREIEN“ (1964) ist eine peinvol-le Auseinandersetzung mit den Illusionen, den Reife- wie den Anpassungsprozessen seiner Generati-on. Ähnlich in „APA / VATER“ (1966), wo ein Junge die Wahrheit über seinen toten Vater erfährt, so dass er in der Lage ist, der gestanzten Macht der Legenden zu entkommen. Schon früh erwies sich Szabó als sensibler Beobachter diktatorischer Systeme und erlebte selbst die daraus resultierende Fremdbestimmung.
Auch in seinen weiteren Filmen in Ungarn setzt er die Suche fort nach Identität und Selbstbild, nach Sicherheit und Geborgenheit in einer Welt, die scheinbar launisch und erbarmungslos die Schicksale der Menschen ändert und herausfordert. Bildstilistisch entwickelt er seine subtile Licht- und Farb-dramaturgie weiter. Virtuos eingesetzt etwa in seinem wohl berühmtesten Film: „MEPHISTO“ (1981), das Portrait des Schauspielers als Karrieristen in unwirklichster NS-Zeit wurde eine genau ausge-leuchtete Charakter- wie Gesellschaftsanalyse. Sie brachte Szabó 1981 den Oscar als bester ausländi-scher Film ein. „MEPHISTO“ wird der erste Teil einer Trilogie, die von Nazi-Deutschland aus den Blick auf die k.u.k.–Monarchie zurück wendet.

„OBERST REDL“ (1985) ist die auf authentischem Material beruhende Geschichte eines Aufsteigers, der seine Identität aufs Spiel setzt und zum politischen Spielball wird. Szabó ging es nicht um den politischen Verrat oder die angebliche Homosexualität Redls, sondern um dessen Anpassungskrise. Menschen tun viel dafür, etwas anderes sein zu wollen, als sie sind. Das sei eine Krankheit des Jahrhunderts.

Auch “HANUSSEN” (1988) erzählt von einem Verstellungsartisten: von dem Hellseher und Scharlatan, der gleichfalls mehr und etwas anderes sein möchte als er ist. Als er eher zufällig den Reichstagsbrand 1933 voraussagt, wird er für Hitler vom Propheten zum unliebsamen Mitwisser und aus dem Weg geräumt.
In „SUNSHINE – EINEN HAUCH VON SONNENSCHEIN“ (1999) geht István Szabó die Herausforderungan, ein gewaltiges Epos über drei Generationen der jüdischen Familie Sonnenschein zu entfalten. Szabó zeigt dabei, dass persönlicher Status keine Immunität gegen die ideologischen Verirrungen ge-sellschaftlicher Ismen gewährt. In „TAKING SIDES

– DER FALL FURTWÄNGLER“ (2001) umkreist er wie bereits in „MEPHISTO“ abermals die Frage der Verführbarkeit des Künstlers durch Macht, diesmal in einer Art Dialog, den die Hauptdarsteller Harvey Keitel und Stellan Skarsgaard virtuos entfalten. Auch „THE DOOR / HINTER DER TÜR“ (2012) bietet scharf zuspitzende Dialoge, in denen bruchstückhaft die verschütteten Traumata einer Putzfrau aufscheinen, die vielleicht ein Spitzel gewesen ist.
Filmemachen ist für István Szabó das visuell einprägsame Erzählen menschlicher Erfahrungen und Emotionen. Er hat eine tiefe Verbundenheit zu Menschen und eine besondere zu Schauspielern, also zu: Menschen-Darstellern und -Darstellerinnen.

Sein kompositorischer Blick, menschliche Gestalten authentisch und wahr zu zeigen und immer auf den intuitiven, richtigen Augenblick eines solchen (Ab-)Bildes zu warten ist legendär. Er selbst beschrieb diese ungewöhnliche inszenatorische Geduld einmal so: „Ich warte auf den Engel. Und plötzlich ist er da.“ Ihn zu erkennen und ihn als Bild festzu-halten – das gehört zur Kunst eines Meisterregisseurs.

 

Nominierungen

Beste Regie Kinofilm

  • „Das finstere Tal“ von Andreas Prochaska
  • „Jack“ von Edward Berger
  • „Zwei Leben“ von Georg Maas
  • „Zwischen Welten“ von Feo Aladag

 

Beste Regie Fernsehfilm

  • “Die Spiegel-Affäre“ von Roland Suso Richter
  • “Männertreu” von Hermine Huntgeburth
  • “Tatort: Gegen den Kopf” von Stephan Wagner
  • “Weiter als der Ozean” von Isabel Kleefeld

 

Beste Regie Serie / Serienfolge

  • “Großstadtrevier: Heile Welt“ von Lars Jessen
  • “Tatortreiniger: Angehörige“ von Arne Feldhusen
  • “Weissensee: Morgenluft“ von Friedemann Fromm

 

Beste Regie Kinder- und Jugendfilm

  • “Keinohrhase und Zweiohrküken” von Til Schweiger und Maya Gräfin Rothkirch
  • „Lauf, Junge, lauf!“ von Pepe Danquart
  • “Pettersson und Findus” von Ali Samadi Ahadi

 

Beste Regie Dokumentarfilm

  • “Achtzehn” von Cornelia Grünberg
  • “Betongold” von Katrin Rothe
  • “Die Arier” von Mo Asumang

Die Nominierungs-Jury bildeten: Michael Geier, Dirk Fritsch (Vosritz), Matthias Kessler, Markus Sehr, Christoph Weinert und Klaus Witting.

 

Presse

„Die Welt“ über den Regiepreis für István Szabó

 

Fotos