Metropolis 13

Am Sonntag, 24.11.2013 wurde zum dritten Mal der Deutsche Regiepreis METROPOLIS bei einer glanzvollen Galaveranstaltung im Audi-Zentrum in München verliehen. Die unterhaltsame Preisverleihung war Höhe- und Schlusspunkt der MOVIECOM518, die dieses Jahr zum zweiten Mal mit interessanten Workshops und Panels Regisseure und Branchenprofessionals zusammenbrachte.

Die Preisträger des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2013 wurden von den Mitglieder des Bundesverbandes der Film- und Fernsehregisseure e.V. (BVR) aus jeweils vier von einer Jury nominierten Vorschlägen in einer online-Abstimmung gewählt.

 

Gewinner

margarethe bvr, regiepreis 2013  kai wessel  hunt

Kinofilm

Margarethe von Trotta

„Hannah Arendt“

 

 Fernsehfilm

Nicole Weegmann

„Mobbing“

 

Serie/ Serienfolge

Kai Wessel

„Zeit der Helden (3)“

 

 Kinder-und Jugendfilm

Hermine Huntgeburth

„Die Abenteuer des Huck Finn“

 

yo
 inigo

Nachwuchs

Jan Ole Gerster

„Oh Boy“

 

Dokumentarfilm

Inigo Westmeier

„Drachenmädchen“

 

Katja Riemann at the vernissage 'Kampf gegen den Hunger' by Anna von Griesheim and Mirjam Knickriem at Cafe Einstein Unter den Linden. Berlin, Germany - 18.12.2012 Credit: AEDT/WENN.com bvr, regiepreis 2013, julius feldmeier, nian duff

Beste Schauspielerin   

Katja Riemann

„Das Wochenende“

Bester Schauspieler  

Julius Feldmeier

„Tore tanzt“

Beste produzentische Leistung    

Nina Maag

„Das Wochenende“

Beste redaktionelle Leistung

Katharina Duffner (ZDF)

„Tore tanzt“

 

 

Lebenswerk

Ein fantastischer Realist: Rainer Erler

rainer erler, bvr, regiepreis 2013

RAINER ERLER hat Ende August seinen 80. Geburtstag gefeiert. Jetzt ehrt ihn der BUNDESVERBAND DER FILM- UND FERNSEHREGISSEURE e.V. (BVR) mit dem Deutschen Regiepreis METROPOLIS 2013 für ein Lebenswerk. Der Preis ist mit 20.000 EUR dotiert und wird vom BVR zusammen mit der Stiftung Kulturwerk als Ehrenpreis der VG Bild-Kunst, der Verwertungsgesellschaft der Bildkünstler vergeben. Die feierliche Preisverleihung findet in einer Gala am 24.11. 2013 in München statt. Dort werden auch die Jahres-Preisträger des METROPOLIS 2013, einer Auszeichnung von Regisseuren für Regisseure, überreicht.

Rainer Erler hat das Filmemachen von der Pike auf gelernt. Er begann als Regieassistent bei den Regiegrößen des deutschen Nachkriegsfilms, wie Rudolf Jugert, Wolfgang Liebeneiner, Kurt Hoffmann und kam über Franz Peter Wirth bald auch zum Fernsehen. Für die satirische Komödie “Seelenwanderung ” (1962) um den Handel mit einer als Ware verpackten menschlichen Seele erhielt er u.a. den Ernst-Lubitsch-Preis. In den Folgejahren machte sich Erler als Regisseur von zeitkritischen, dabei oft satirisch zugespitzten Filmen einen Namen, etwa “Orden für die Wunderkinder ” (1963) oder “Das Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas ” (1965), einem Fernsehfilm, den der BR partout nicht ausstrahlen wollte.

Mit „Die Delegation“ (1969/70), einer fiktiven Reportage über die Suche nach Außerirdischen, vertiefte Rainer Erler eine Genrefarbe im deutschen Fernsehen, für die er wenig später synonym werden sollte: Science Fiction. Er hat sich zunächst gegen dieses Etikett gewehrt, wollte nicht als Fantast, Träumer oder Geisterseher gelten. Seine SF-Filme waren denn auch keine märchenhaften Utopien, sondern er begriff sie als „Extrapolationen von Entwicklungen der Gegenwart, als Auseinandersetzungen mit den Folgen aktueller Entwicklungen in Wissenschaft und Technik“ (Olaf Brill).

Angeregt durch den Club of Rome-Bericht zu den „Grenzen des Wachstums“ und den sich anbahnenden ökologischen Zukunftsproblemen entstand Erlers fünfteilige Science-Thriller- Reihe “Das blaue Palais ” (1974-1976) über eine Forschergruppe und deren Auseinandersetzung mit industrieller Profitgier und persönlicher Geltungssucht. Erlers Plädoyer für eine neue Wirtschafts- und Wissenschafts-Ethik war wichtig für die breite ökologische Diskussion in Deutschland, lange bevor es die Partei der Grünen gab.

In der Mischung aus Thriller und Aufklärungsfilm machte er ein Millionenpublikum mit wissenschaftlichen und ökologischen Themen vertraut. Und dies in spannender Erzählung, mit irritierender Bildsprache, starken Figuren, die keine Helden (mehr) sind und bei allem wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse nicht wirklich Lösungen bieten. Die gibt es nur in den vereinfachten Genreformen des Unterhaltungskinos, zu dem sich Erler zwar formal, aber nicht in der thematischen Vereinfachung bekennt. Trotz knapper Budgets atmen seine Filme in der intelligenten Adaption von Genreversatzstücken stets etwas von (erheblich teureren) Hollywood-Filmen.

Filme wie “Plutonium ” (1978) über verschwundenes, hochangereichertes Spaltmaterial, “Das schöne Ende dieser Welt ” (1983) über die fragwürdigen Machenschaften europäischer Chemiekonzerne in Afrika, “Operation Ganymed ” (1977) über eine Weltraummission, die zu einer verwüsteten Erde zurückkehrt, “Fleisch ” (1979) über die skrupellosen Methoden von Organhändlern und “Die Kaltenbach Papiere ” (1990) über ein Intrigenspiel um nukleare Sprengsätze waren einprägsame Erkundungen zu Moral und ihrer fehlenden gesellschaftlichen Verankerung. Man müsse nur “extrapolieren ”, erläutert Rainer Erler seine Erkenntnis-Methode, in der zuweilen schonungslos die Krisenszenarien zutage treten: “Wer sich informiert, die Facts kennt und dann hochrechnet, kommt zu solchen Ergebnissen ”, erläutert der Regisseur, der keineswegs ein Pessimist ist.

Viele der Science-Thriller Erlers sind inzwischen Kultfilme, werden aber relativ selten im TV gezeigt. Glücklicherweise liegen die meisten auf DVD vor. Einige Erler-Filme werden in einer kleinen Werkschau im Rahmen des Münchner Filmgipfels Moviecom518 zu sehen sein. Der außergewöhnliche Regisseur wird zudem in einer Lecture am 23.11. im Münchner HVB- Forum über sein Werk sprechen.

V.i.S.d.P.: Dr. Jürgen Kasten, Geschäftsführer, Bundesverband der Film- und Fernsehregisseure e.V.

 

Nominierungen 2013

 

Beste Regie Kinofilm

  • „Das Wochenende“ von Nina Grosse
  • „Fraktus“ von Lars Jessen
  • „Heute bin ich blond“ von Marc Rothemund
  • „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trott

 

Beste Regie Fernsehfilm

  • „Arnes Nachlass” von Thorsten Schmidt
  • „Lösegeld“ von Stephan Wagner
  • „Mobbinng“ von Nicole Weegmann
  • „Und alle haben geschwiegen“ von Dror Zahavi

 

Beste Regie TV-Serie / Serienfolge

  • “Verbrechen: Der Igel” von Jobst Oetzmann
  • “Verbrechen: Fähner” von Hannu Salonen
  • “Zeit der Helden: Folge 3” von Kai Wessel
  • “SOKO Leipzig: Das Monster” von Patrick Winczewski

 

Beste Regie Kinder- und Jugendfilm

  • “Die Vampirschwestern” von Wolfgang Groos
  • “Die Abenteuer des Huck Finn” von Hermine Huntgeburth
  • “Ostwind” von Katja von Garnier

 

Beste Regie Nachwuchs

  • “Am Himmel der Tag” von Pola Beck
  • “Tore tanzt” von Katrin Gebbe
  • “Oh Boy” von Jan Ole Gerster
  • “Freier Fall” von Stephan Lacant

 

Beste Regie Dokumentarfilm

  • “Vergiss mein nicht” von David Sieveking
  • “Drachenmädchen” von Inigo Westmeier

Die BVR-Nominierungs-Jury bildeten: Andreas Arnstedt, Michael Chauvistré, Torsten C. Fischer, Gunter Friedrich, Petra Haffter, Marc Schaumburg (Vorsitz) und Bettina Woernle.

 

Presse

 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den METROPOLIS 2013

 

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