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Die Verleihung der Deutschen Regiepreise METROPOLIS 2015

Regieverband kürt die Jahrgangsbesten und Michael Haneke für sein Lebenswerk
Am Sonntag, den 8. November 2015 wurde zum fünften Mal der Deutsche Regiepreis METROPOLIS bei einer Galaveranstaltung im Audimaxx der Hochschule für Fernsehen und Film in München verliehen. Die unterhaltsame Preisverleihung war Höhe- und Schlusspunkt der TAGE DER REGIE, die dieses Jahr zum zweiten Mal mit interessanten Screenings und Panels Regisseure, Branchenprofessionals und Filmstudenten zusammenbrachte.
Die Preisträger des Deutschen Regiepreises METROPOLIS 2015 wurden von den Mitglieder Bundesverbandes Regie. (BVR) aus jeweils bis zu vier von einer Jury nominierten Vorschlägen in einer Online-Abstimmung gewählt.

Die Gewinner des Deutschen Regiepreises Metropolis 2015 sind:

Beste Regie Kinofilm: Oliver Hirschbiegel für „Elser“
Beste Regie Kinderfilm: Wolfgang Groos für “Rico, Oskar und das Herzgebreche“
Beste Regie Dokumentarfilm: Hubertus Siegert für “Beyond punishment”
Beste Regie Fernsehfilm: Florian Schwarz für “Tatort : Im Schmerz geboren”
Beste Regie TV-Serie/Serienfolge: Edward Berger für “Deutschland 83″
Beste Regie Nachwuchs: Giulio Ricciarelli für “Im Labyrinth des Schweigens”

Ehrenpreis der VG Bildkunst :
Für das Lebenswerk: Michael Haneke

Alle Regiepreise sind dotiert. Das Preisgeld beträgt je EUR 5.000.-, der Lebenswerk-Preis ist mit EUR 20.000.- ausgestattet.

Beste schöpferische Mitwirkung Kamera: Philipp Sichler
für “Tatort : Im Schmerz geboren” & „Mörderhus: Der Usedom-Krimi“

Bester Schauspieler: Christian Friedel für seine Darstellung in „Elser“

Beste Schauspielerin: Martina Gedeck für ihre Darstellung in „Das Ende der Geduld“
Lobende Erwähnung: Emma Bading
Bester produzentische Leistung: Til Schweiger
für die Produktion des Kinofilms „Honig im Kopf“

Beste redaktionelle Leistung: Ulrike Leibfried für die Redaktion von „Deutschland ´83“

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Pressemitteilung

Michael Haneke – ein Moralist des wahrhaftigen Bildes erhält den Deutschen Regiepreis METROPOLIS 2015 für sein Lebenswerk.

Der BUNDESVERBAND REGIE e.V. vergibt im November zum 5. Mal den Deutschen Regiepreis METROPOLIS in insgesamt acht Kategorien.Die mit 20.000 EUR dotierte Auszeichnung für das Lebenswerk als Ehrenpreis der VG Bild-Kunst erhält in diesem Jahr Michael Haneke.

Ohne Zweifel gehört er international zu den renommiertesten deutschsprachigen Regisseuren der Gegenwart. Haneke sucht im Kino Wahrhaftigkeit, gerade auch in der gesellschaftlichen Analyse und Kommunikation. Wie kaum ein anderer Regisseur bindet er den Zuschauer ein. Im puristisch, fast spröde gegebenen Bild zwingt er ihn, sich ohne vermittelnde Illusionsbrücken mit oft monströsen Vorfällen auseinander zu setzen.

Haneke hinterfragt die Filmästhetik und ihre wesentliche Zeige- und Bedeutungsfunktionen. Seine Form ist die des realistischen Bildes, das er radikal entschlackt und genaustens quadriert. Bei den Figuren vermeidet er individualpsychologische Erklärungsmuster. Und das trotz extremster Vorfälle, insbesondere in der Erkundung und Bewältigung von Gewalt, die plötzlich aus dem Alltag heraus bricht.

Eine Deutung der visuell selten direkt, meist nur vermittelt und äußerst unspektakulär gezeigten Gewalt will er dem Zuschauer entlocken – ihn rückt er quasi als Mittäter oder Mitleidenden in die Geschichte mit ein. Er soll die sehr bewusst leer gelassenen Bildstellen des oft beiläufig gezeigten ausfüllen. Selten hat ein Filmregisseur sein Publikum so ernst genommen wie Michael Haneke es regelmäßig tut.

Geboren 1942 in München und aufgewachsen in Wien beginnt er 1967 als Redakteur beim Südwestfunk, wendet sich aber bald der Theater- und 1976 der Fernsehfilm-Regie zu. Bereits seine frühen, heute leider kaum bekannten oder zugänglichen Fernsehspiele, wie etwa „Lemminge“ (1979) zeichnet ein strenger Formwille und antiillusionistische Inszenierung aus. Es dauert noch einmal zehn Jahre bis Haneke mit „Der siebte Kontinent“ (1989) seinen ersten Kinofilm heraus bringt.Der völlig unprätentiös umkreiste kollektive Selbstmord einer ganzen Familie ist Ausgangspunkt für eine Trilogie über die „Vergletscherung der Gefühle“ in der bürgerlichen Gesellschaft. „Bennys Video“ (1992) und „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994) gehören dazu und arbeiten sich an extremen Ausbrüchen ab: dem wiederum völlig unspektakulär und nur medial vermittelt gezeigten Mord bzw. Amoklauf.

„Die Klavierspielerin“ (2000) schreibt diese Analyse privater wie gesellschaftlicher Vereisung in die intimsten Beziehungen fort. In Cannes erhielt der Regisseur dafür den Großen Preis der Jury. Fortan wird er verstärkt in Frankreich bzw. in entsprechenden Co-Produktionen arbeiten. Auch in „Code inconnu“ (2000) oder der apokalyptischen Endzeitvision „Wolfszeit“ (2003) arbeitet er weiter an der Verunsicherung vor allem des bürgerlichen Subjekts und der Subversion von Zuschauererwartungen, die aus dem Mainstreamkino erwachsen. Für „Caché“ (2005) erhielt er den Regiepreis in Cannes und den Europäischen Filmpreis. Für „Das weiße Band“ (2009), einer vielschichtigen, aber nur andeutend hingetupften Geschichte um mysteriöse Unfälle und Todesfälle in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des 1. Weltkriegs, deutet er auf die grundlegenden Mentalitäten, die diesen kollektiven Gewaltausbruch ermöglichen. Die Goldene Palme in Cannes und viele weitere Auszeichnungen würdigten diesen auch bild- stilistisch außergewöhnlichen Film. „Liebe“ (2012) gewann nicht nur die Goldene Palme, sondern auch den Oscar.Das Kammerspiel um ein altes, in starker Zuneigung gebundenes Professorenpaar konzentriert den ultimativen Liebesbeweis in höchstmöglicher Radikalität: dem Wunsch nach dem Tod als letzten Akt der Selbstbestimmung und eben der Liebe.

Michael Haneke Filme sind Versuchsanordnungen über die Pathologien der bürgerlichen Gesellschaft. Er fordert dem Zuschauer einiges ab und versucht stets, ihn für die Mechanismen filmischer Manipulation und Illusionsbildung zu sensibilisieren. Er dekonstruiert damit auch den Film selbst, den er gleichzeitig als Medium von Erkenntnis nutzt.Haneke ist ein unpathetischer Aufklärer, der das Kino noch immer als moralische Anstalt versteht.

Der BUNDESVERBAND REGIE e.V. der Berufsverband von mehr als 700 Film- und Fernsehregisseuren/innen ist stolz, Michael Haneke mit dem Deutschen Regiepreis METROPOLIS 2015, einer kleinen Retrospektive seiner Filme und einem öffentlichen Fachgespräch in der HFF München ehren zu können.Die feierliche Preisverleihung findet in einer abendlichen Gala im Rahmen der „Tage der Regie“ am 8. Nov. 2015 statt. Dabei werden auch die weiteren Jahres-Preisträger des Deutschen Regiepreises 2015 in den Kategorien Beste Regie Kino-, Fernseh-, Dokumentarfilm, Serien- und Nachwuchsregie sowie für eine schöpferische Mitwirkung überreicht.

 

 

Die nominierten Filme für den Deutschen Regiepreis METROPOLIS 2015 stehen fest:

 
Beste Regie Kinofilm
• „Die Kleinen und die Bösen“ von Markus Sehr
• „Elser“ von Oliver Hirschbiegel
• „Frau Müller muss weg“ von Sönke Wortmann
• „Who am I“ von Baran bo Odar

Beste Regie Kinder-/Jugendfilm
• “Rico, Oskar und das Herzgebreche“ von Wolfgang Groos
• „Ostwind 2“ von Katja von Garnier
• „Die Vampirschwestern 2“ von Wolfgang Groos
• „Die Krone von Arkus“ von Franziska Pohlmann

Beste Regie Dokumentarfilm
• “Beyond Punishment” von Hubertus Siegert
• “Für immer Liebe? Leben zu dritt” von Sabine Barth
• “Nowitzki – der perfekte Wurf” von Sebastian Dehnhardt

Beste Regie Fernsehfilm
• “Das Ende der Geduld“ von Christian Wagner
• “Tatort: Das Muli” von Stephan Wagner
• “Tatort: Im Schmerz geboren” von Florian Schwarz
• “Vorsicht vor Leuten” von Arne Feldhusen

Beste Regie TV-Serie/Serienfolge
• “Deutschland 83, Folge 1“ von Edward Berger
• “Schuld: Schnee“ von Maris Pfeiffer

Beste Regie Nachwuchs
• “Der Kuckuck und der Esel” von Andreas Arnstedt
• “Im Sommer wohnt er unten” von Tom Sommerlatte
• “Im Labyrinth des Schweigens” von Giulio Ricciarelli
• “Verfehlung” von Gerd Schneider